Komoren stellen Anjouan-Lizenzen von rund 1.500 Firmen infrage

Die Regierung der Komoren bestreitet die Rechtsgrundlage des Anjouan-Lizenzsystems und hat britische Behörden um Unterstützung gebeten – betroffen sind fast 1.500 international lizenzierte Anbieter. Was das für Betreiber und Spieler bedeutet und welche rechtlichen Schritte drohen, lesen Sie hier.

 

Komoren bitten Großbritannien um Hilfe gegen das Anjouan-Lizenzsystem

Die Regierung der Komoren bestreitet die Rechtsgrundlage des Anjouan-Lizenzsystems und hat britische Behörden offiziell um Unterstützung gebeten. In den Casino Nachrichten ist die Rede von fast 1.500 Unternehmen, die im öffentlichen Anjouan-Register gelistet sind.

Azad Mzé, Vertreter der Zentralregierung, bezeichnete Anjouan Licensing Services als „illegal entity“. Die zuständigen Stellen der Komoren bereiten gemeinsam mit internationalen Polizei- und Finanzbehörden rechtliche Schritte vor. Für Betreiber mit Anjouan-Lizenz bedeutet das erhebliche Rechtsunsicherheit.

Anjouan Licensing Services vergibt seit Mai 2023 Glücksspiel-Lizenzen

Anjouan ist eine der drei Hauptinseln der Union der Komoren und genießt als autonome Insel eine eigene Verwaltungsstruktur. Genau diese Sonderstellung nutzte Anjouan Licensing Services ab Mai 2023, um Online-Glücksspiellizenzen zu vergeben.

Das System wuchs schnell: Innerhalb kurzer Zeit entstanden fast 1.500 Einträge im öffentlichen Register. Als rechtliche Grundlage dient der angebliche Computer Gaming Licensing Act of 2005. Die Zentralregierung der Komoren bestreitet jedoch, dieses Gesetz jemals autorisiert zu haben.

Das angebliche Gesetz von 2005 steht im Zentrum der rechtlichen Zweifel

Anjouan Licensing Services stützt sein gesamtes System auf den sogenannten Computer Gaming Licensing Act of 2005. Dieses Gesetz soll der Insel Anjouan die Grundlage geben, eigenständig Glücksspiellizenzen zu vergeben.

Genau hier setzt die Kritik an: Weder die Zentralregierung der Komoren noch unabhängige Forschende konnten die Echtheit dieses Gesetzes bestätigen. Staatliche Stellen bezeichnen es als nicht autorisiert. Ein belastbarer Nachweis, dass das Gesetz jemals rechtsgültig in Kraft trat, fehlt bislang öffentlich.

AOFA, ACS und die Vorwürfe der Komoren gegen die Lizenzstruktur

Das institutionelle Gerüst des Anjouan-Systems stützt sich auf zwei zentrale Akteure: die Anjouan Offshore Finance Authority (AOFA) als angebliche Aufsichtsbehörde und ACS als operative Einheit. Die Zentralbank der Komoren bezeichnete beide ausdrücklich als „fictitious entities“ – also fiktive Einrichtungen ohne staatliche Autorisierung.

Azad Mzé, ein Vertreter der komorischen Regierung, stufte Anjouan Licensing Services zusätzlich als „illegal entity“ ein. Damit bestreitet der Staat nicht nur einzelne Lizenzen, sondern die gesamte institutionelle Grundlage des Systems.

Fast 1.500 Einträge im öffentlichen Register und die Reichweite des Systems

Das öffentliche Register von Anjouan Licensing Services umfasst nach übereinstimmenden Berichten von Guardian, Casino.org und GamblingNews nahezu 1.500 Unternehmen. Diese Zahl verdeutlicht, dass der Streit kein Einzelfall ist, sondern ein ganzes Lizenzsystem auf dem internationalen Markt betrifft.

Darunter finden sich Online-Casinos, Sportwettenanbieter und weitere Glücksspielplattformen, die ihre Legitimität bislang auf die Anjouan-Lizenz stützten. Sollte die Rechtsgrundlage wegfallen, stünden alle Einträge gleichzeitig ohne belastbare Lizenzierung da.

Anjouan Gaming verteidigt die Lizenzen mit einem nicht veröffentlichten Rechtsgutachten

Anjouan Gaming bestreitet die staatlichen Vorwürfe und beruft sich auf ein unabhängiges Rechtsgutachten, das die Gültigkeit der ausgestellten Lizenzen bestätigen soll. Das Problem: Weder die beauftragte Kanzlei noch der Inhalt des Gutachtens wurden öffentlich zugänglich gemacht. Eine externe Prüfung der juristischen Argumentation ist damit schlicht nicht möglich.

Für Betreiber, die eine Anjouan-Lizenz halten, bietet diese Gegendarstellung wenig belastbare Sicherheit. Solange das Gutachten nicht offengelegt wird, bleibt die Rechtsgrundlage für internationale Anbieter faktisch unüberprüfbar.

Britische Firmen, Sorsky-Familie und die Verbindung nach London

Der Guardian und ABC identifizierten britische Unternehmen als zentrale Akteure hinter dem Anjouan-System. Im Fokus steht ACS Global Custodian: Der Cash-Bestand dieser Londoner Firma stieg zwischen 2023 und 2025 von £13.130 auf £614.826. Die Herkunft dieser Mittel bleibt ungeklärt.

Die Sorsky-Familie erwarb ACS im Jahr 2023. Harold Sorsky weist Vorwürfe jedoch zurück und bestreitet, dass ACS seitdem Lizenzen verkauft oder ausgegeben habe. Ein gerichtsfester Nachweis illegaler Handlungen fehlt in den vorliegenden Quellen bislang.

GamStop-Umgehung, SlotsCharm und der Druck auf Spieler

Viele Anjouan-lizenzierte Anbieter werben gezielt mit dem Hinweis „not on GamStop“ – und sprechen damit britische Spieler an, die sich über das nationale Selbstsperrprogramm geschützt haben. Das ist kein Zufall, sondern Geschäftsmodell.

Der Guardian testete den Anbieter SlotsCharm und dokumentierte danach mehr als 100 Kontaktversuche des Betreibers. Dieses aggressive Verhalten zeigt, welchen Druck manche Anbieter auf Spieler ausüben. Wer sich bei GamStop registriert hat, sollte solche Angebote konsequent meiden.

Welche rechtlichen und regulatorischen Folgen jetzt im Raum stehen

Die Komoren bereiten gemeinsam mit internationalen Polizei- und Finanzbehörden rechtliche Schritte vor. Für Betreiber mit Anjouan-Lizenz bedeutet das erhebliche Unsicherheit: Zahlungsdienstleister könnten unter Druck geraten, Transaktionen zu überprüfen oder einzustellen. Banken und E-Wallet-Anbieter reagieren erfahrungsgemäß sensibel auf solche staatlichen Signale.

Ob britische Behörden tatsächlich eingreifen und welche Reichweite mögliche Ermittlungen haben, bleibt offen. Fest steht: Wer aktuell bei einem Anbieter mit Anjouan-Lizenz spielt, sollte die Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

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Seit seiner Kindheit hat Nils gerne gelesen und selbst Texte geschrieben. Nach jahrelanger Unschlüssigkeit, was den späteren Beruf angeht, führte währ...

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